Das Wichtigste in Kürze
Versicherungsmakler wirst du über die Erlaubnis nach §34d GewO: Sie verlangt den Sachkundenachweis (IHK-Prüfung oder gleichgestellter Abschluss), Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse und eine Berufshaftpflicht mit mindestens 1.564.610 Euro Deckung je Schadensfall. Die IHK-Sachkundeprüfung kostet je nach Kammer rund 330 bis 395 Euro, Erlaubnis und Registrierung zusammen meist 350 bis 450 Euro. Laut DIHK-Registerstatistik gibt es rund 47.300 Versicherungsmakler mit Erlaubnis (Stand: Oktober 2026) — und weil die Vermittlerschaft laut BVK im Schnitt 51 Jahre alt ist, sind die Chancen für Quereinsteiger gut. Nach dem Start gilt eine Weiterbildungspflicht von 15 Stunden pro Jahr.
Versicherungsmakler ist einer der wenigen Berufe mit geschütztem Marktzugang, in den du ohne Studium und ohne Branchenausbildung wechseln kannst: Die Eintrittskarte ist die Erlaubnis nach §34d Gewerbeordnung — und deren wichtigste Hürde, der Sachkundenachweis, lässt sich als IHK-Prüfung berufsbegleitend erwerben. Gleichzeitig altert die Vermittlerschaft spürbar, viele Bestände suchen Nachfolger. Hier liest du, wie der Weg vom Quereinstieg bis zur Registrierung aussieht, was er kostet und wovon dein Verdienst abhängt.
Makler, Vertreter oder Berater: Wer macht eigentlich was?
Wer gewerblich Versicherungen vermitteln will, braucht grundsätzlich eine Erlaubnis nach §34d Abs. 1 GewO — als Versicherungsvermittler werden dabei zwei Rollen zusammengefasst, die §59 VVG klar trennt: Der Versicherungsvertreter ist von einem oder mehreren Versicherern damit betraut, deren Verträge zu vermitteln. Der Versicherungsmakler übernimmt die Vermittlung im Auftrag des Kunden, ohne von einem Versicherer betraut zu sein — er steht rechtlich im Lager des Kunden und wählt aus dem Marktangebot aus. Daneben gibt es den Versicherungsberater (§34d Abs. 2 GewO), der gegen Honorar berät und keine Provisionen vom Versicherer annehmen darf.
| Rolle | Rechtsgrundlage | Steht im Lager von | Vergütung |
|---|---|---|---|
| Versicherungsmakler | §34d Abs. 1 GewO, §59 Abs. 3 VVG | Kunde | Courtage vom Versicherer |
| Versicherungsvertreter mit Erlaubnis | §34d Abs. 1 GewO, §59 Abs. 2 VVG | Versicherer | Provision vom Versicherer |
| Gebundener Versicherungsvertreter | §34d Abs. 7 GewO (erlaubnisfrei, Versicherer haftet) | Versicherer | Provision vom Versicherer |
| Versicherungsberater | §34d Abs. 2 GewO | Kunde | Honorar vom Kunden |
Wie sich der Markt verteilt, zeigt die DIHK-Statistik zum Vermittlerregister (Stand: 1. Oktober 2026):
- 47.329 Versicherungsmakler mit Erlaubnis
- 97.896 gebundene Versicherungsvertreter (ohne eigene Erlaubnis, über den Versicherer registriert)
- 27.270 Versicherungsvertreter mit eigener Erlaubnis
- 336 Versicherungsberater — eine kleine Nische
Insgesamt zählt das Register rund 179.000 Einträge, Anfang 2025 waren es noch 181.761 — die Vermittlerschaft schrumpft seit Jahren, während der Beratungsbedarf bleibt. Genau diese Lücke macht den Quereinstieg interessant; die Nachwuchslage der gesamten Branche beleuchtet der Ratgeber Quereinstieg in die Versicherungsbranche.
Welche Voraussetzungen verlangt die §34d-Erlaubnis?
Die Erlaubnis erteilt die IHK an deinem Betriebssitz. Sie prüft vier Dinge:
- Sachkunde: Standardnachweis ist die IHK-Prüfung „Geprüfte/r Fachmann/-frau für Versicherungsvermittlung (IHK)” — 160 Minuten schriftliche Prüfung am PC quer durch Kundenberatung, Recht und die Spartenwelt von Vorsorge bis Sachversicherung, danach ein rund 20-minütiges simuliertes Kundenberatungsgespräch (Quelle: IHK Nordwestfalen). Ablauf, Bestehensgrenzen und Befreiungen im Detail erklärt der Ratgeber Sachkundeprüfung §34d/§34f.
- Zuverlässigkeit: keine einschlägigen Verurteilungen (etwa wegen Vermögensdelikten) in den letzten fünf Jahren; geprüft über Führungszeugnis und Gewerbezentralregister.
- Geordnete Vermögensverhältnisse: kein laufendes Insolvenzverfahren, keine Eintragungen im Schuldnerverzeichnis.
- Berufshaftpflichtversicherung (VSH): Pflichtdeckung mit Mindestversicherungssummen von 1.564.610 Euro je Versicherungsfall und 2.315.610 Euro für alle Fälle eines Jahres — diese Beträge gelten seit dem 9. Oktober 2024 (Quelle: IHK Berlin). Der Jahresbeitrag hängt von Umsatz, Sparten und Selbstbehalt ab; hol vor dem Erlaubnisantrag Angebote ein, denn ohne VSH-Nachweis gibt es keine Erlaubnis.
Gleichstellung: Wann brauchst du die IHK-Prüfung nicht?
Die Versicherungsvermittlungsverordnung (§5 VersVermV) stellt bestimmte Abschlüsse der Sachkundeprüfung gleich — wer einen davon mitbringt, spart Prüfung und Vorbereitung:
- Ohne zusätzliche Berufserfahrung: Versicherungskaufmann/-frau, Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen (heute: und Finanzanlagen), Geprüfte:r Fachwirt:in für Versicherungen und Finanzen sowie Fachwirt:in für Finanzberatung
- Mit mindestens einem Jahr einschlägiger Berufserfahrung: ein betriebswirtschaftliches Studium der Fachrichtung Versicherungen, Bank oder Finanzdienstleistung
- Mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung: Bank- oder Sparkassenkaufmann/-frau, Investmentfondskaufmann/-frau oder Geprüfte:r Fachberater:in für Finanzdienstleistungen
- Mit in der Regel drei Jahren Berufserfahrung: ein abgeschlossenes rechts-, wirtschaftswissenschaftliches oder mathematisches Studium (§5 Abs. 2 VersVermV)
Verbindlich entscheidet die zuständige IHK — frag dort nach, bevor du einen Vorbereitungskurs buchst. Für klassische Quereinsteiger ohne kaufmännischen Finanz-Hintergrund bleibt die Prüfung der Standardweg.
Schritt für Schritt: Vom ersten Lerntag bis zur Registrierung
- Sachkunde erwerben. Melde dich bei deiner IHK zur Prüfung an und bereite dich strukturiert vor — ein Vorbereitungskurs ist keine Zulassungsvoraussetzung, aber der Stoff ist breit. Digital geht das etwa mit der 34d-Prüfungsvorbereitung der Sachkundegurus mit Fragenkatalogen und Prüfungssimulation; Lehrgänge mit Begleitung bietet die GOING PUBLIC! Akademie.
- Erlaubnis nach §34d Abs. 1 GewO beantragen. Bei der IHK am Betriebssitz, mit Sachkundenachweis, Führungszeugnis, Auskünften zu Vermögensverhältnissen und VSH-Bestätigung. Dabei legst du dich fest: Makler oder Vertreter — beides gleichzeitig geht nicht.
- Ins Vermittlerregister eintragen lassen. Ohne Registrierung im Vermittlerregister der IHK-Organisation darfst du nicht vermitteln; du erhältst eine Registrierungsnummer, die auf Erstinformation und Geschäftspapiere gehört.
- Geschäftsmodell wählen. Angestellt im Maklerhaus (planbares Einkommen, Bestand gehört dem Arbeitgeber) oder selbstständig mit eigenem Bestand. Selbstständige schließen sich meist einem Maklerpool an: Er bündelt Courtagezugänge zu Versicherern, stellt Vergleichssoftware und nimmt dir Verwaltung ab — gegen einen Anteil an der Courtage.
- Weiterbildung einplanen. Die Pflicht von 15 Stunden pro Jahr läuft ab dem Start mit (siehe unten) — Nachweise sammeln und fünf Jahre aufbewahren.
Was kostet der Einstieg als Versicherungsmakler?
Die Gebühren setzt jede Kammer selbst fest; die Spannen sind aber überschaubar (Stand: Oktober 2026):
| Posten | Kosten | Beispielquelle |
|---|---|---|
| IHK-Sachkundeprüfung (komplett) | 330 € (IHK Berlin) bis 395 € (IHK Köln) | Gebührenordnung der IHK |
| Wiederholung praktischer Teil | 150 € (Berlin) bis 237 € (Köln) | wie oben |
| Erlaubnis §34d GewO | ca. 306 € (IHK Düsseldorf) bis 392 € (IHK Lüneburg-Wolfsburg) | Gebührenordnung der IHK |
| Registrierung Vermittlerregister | ca. 45 € | IHK Lüneburg-Wolfsburg |
| Vorbereitung auf die Prüfung | je nach Format vom Selbststudium bis zum Lehrgang | Preisliste des Anbieters |
| Berufshaftpflicht (VSH) | laufend, abhängig von Umsatz und Sparten | individuelles Angebot |
Zwei Entlastungen solltest du kennen: Bei Arbeitslosigkeit fördert die Agentur für Arbeit AZAV-zertifizierte Vorbereitungen häufig per Bildungsgutschein, und selbst gezahlte Kosten für Prüfung und Kurs kannst du steuerlich absetzen.
Was verdienst du als Versicherungsmakler?
Ein Festgehalt gibt es nur im Angestelltenverhältnis — als selbstständiger Makler lebst du von Courtagen aus deinem Bestand. Die belastbarste Zahl liefert das AfW-Vermittlerbarometer (16. Erhebung, November 2023, 1.108 Teilnehmende): Freie Vermittlerbetriebe erzielten im Schnitt 243.000 Euro Umsatz und rund 79.000 Euro Gewinn pro Jahr. Wichtig zur Einordnung: Die Hälfte der Befragten blieb bei 50.000 Euro Gewinn oder darunter — der Durchschnitt wird von großen, über Jahre gewachsenen Beständen gehoben.
Für Quereinsteiger heißt das: Die ersten Jahre sind Aufbaujahre. Viele starten deshalb angestellt in einem Maklerhaus mit Fixum plus Provision und machen sich erst mit Beratungsroutine und erstem Netzwerk selbstständig — oder sie beginnen nebenberuflich selbstständig, solange das Haupteinkommen noch steht. Unseriös wäre jedes Versprechen schneller Spitzenverdienste; realistisch ist ein Geschäft, das mit dem Bestand wächst.
Weiterbildungspflicht: 15 Stunden pro Jahr sind Gesetz
Mit der europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) kam die gesetzliche Weiterbildungspflicht: 15 Stunden pro Kalenderjahr, verankert in §34d Abs. 9 GewO und konkretisiert in §7 VersVermV. Sie gilt nicht nur für dich als Erlaubnisinhaber, sondern auch für Beschäftigte, die unmittelbar an Vermittlung oder Beratung mitwirken. Anerkannt sind unter anderem Seminare, strukturiertes E-Learning und begleitetes Selbststudium mit Lernerfolgskontrolle — die Nachweise musst du aufbewahren und der IHK auf Anforderung vorlegen. Plane die 15 Stunden fest ein: Sie sind kein Hindernis, sondern halten dich in einem Markt mit laufend neuen Produkten und Rechtsänderungen beratungsfähig.
Für wen eignet sich der Quereinstieg zum Versicherungsmakler?
Der Beruf passt nicht zu jedem Profil. Gute Voraussetzungen hast du, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:
- Du kannst erklären und zuhören — Maklerarbeit ist Bedarfsanalyse, nicht Produktverkauf
- Du arbeitest selbstorganisiert und hältst Dokumentationspflichten diszipliniert ein
- Du bringst Vertriebs- oder Kundenkontakt-Erfahrung mit, etwa aus Handel, Banken oder Dienstleistung
- Du hast einen finanziellen Puffer oder startest angestellt beziehungsweise nebenberuflich, weil der Bestandsaufbau Zeit braucht
- Dich schrecken Rechtstexte nicht ab — GewO, VVG und Dokumentationspflichten gehören zum Alltag
Wenn du dir noch unsicher bist, ob Versicherungen, Finanzanlagen oder Baufinanzierung besser zu dir passen: Der Überblick Quereinstieg in die Versicherungsbranche vergleicht die Erlaubnisse nach §34d, §34f und §34i und zeigt, welcher Weg zu welchem Profil passt. Und egal, wie du dich entscheidest: Die Sachkundeprüfung ist Schritt 1 des Wegs — das eigentliche Handwerk lernst du danach, Kunde für Kunde.
Häufige Fragen
Kann ich ohne Ausbildung Versicherungsmakler werden?
Ja — eine Berufsausbildung oder ein Studium sind keine Voraussetzung. Für die Erlaubnis nach §34d GewO genügt als Qualifikationsnachweis die bestandene IHK-Sachkundeprüfung „Geprüfte/r Fachmann/-frau für Versicherungsvermittlung (IHK)". Dazu kommen Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse und eine Berufshaftpflichtversicherung. Genau das macht den Beruf zu einem der zugänglichsten Quereinstiege mit geschütztem Marktzugang.
Was ist der Unterschied zwischen Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter?
Der Vertreter vermittelt laut §59 VVG im Auftrag eines oder mehrerer Versicherer, der Makler wird vom Kunden beauftragt und ist an keinen Versicherer gebunden — er gilt rechtlich als Sachwalter des Kunden und muss aus einem breiten Marktangebot auswählen. Beide brauchen dieselbe Erlaubnis nach §34d Abs. 1 GewO und denselben Sachkundenachweis; der Unterschied liegt im Geschäftsmodell und im Haftungsmaßstab.
Was kostet es, Versicherungsmakler zu werden?
Rechne mit drei Blöcken: IHK-Sachkundeprüfung rund 330 Euro (IHK Berlin) bis 395 Euro (IHK Köln), Erlaubnis nach §34d plus Registrierung im Vermittlerregister zusammen etwa 350 bis 450 Euro je nach Kammer, dazu die Vorbereitung auf die Prüfung und die laufende Berufshaftpflicht (VSH). Bei Arbeitslosigkeit kann die Agentur für Arbeit die Vorbereitung per Bildungsgutschein fördern, selbst gezahlte Kosten sind als Werbungskosten absetzbar.
Was verdient ein Versicherungsmakler?
Das AfW-Vermittlerbarometer (Erhebung November 2023, 1.108 Teilnehmende) nennt für freie Vermittlerbetriebe im Schnitt 243.000 Euro Umsatz und rund 79.000 Euro Gewinn pro Jahr — die Hälfte der Befragten blieb allerdings bei 50.000 Euro Gewinn oder darunter. Der Schnitt wird von großen Beständen gehoben; als Einsteiger baust du deinen Bestand über Jahre auf oder startest angestellt mit Fixum plus Provision.
Wie lange dauert der Weg zum Versicherungsmakler?
Der formale Teil ist überschaubar: Die IHK-Sachkundeprüfung besteht aus 160 Minuten schriftlicher Prüfung am PC plus einem rund 20-minütigen simulierten Beratungsgespräch, die Vorbereitung dauert je nach Vorkenntnissen und Lernpensum typischerweise einige Wochen bis Monate. Danach folgen Erlaubnisantrag bei der IHK und Registrierung im Vermittlerregister. Deutlich länger dauert der Aufbau von Kundenbestand und Routine — die Prüfung ist Schritt 1 des Wegs, nicht das Ziel.
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